Club 75
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2017 Besichtigung der Tunnelbetriebsstation Farchant und Tunnelbaustelle Oberau

Freitag, 28.07.2017, 32 Teilnehmer

 

Die Gesichter waren noch müde, das Wetter war trüb und regnerisch, als wir uns zu früher Stunde am Treffpunkt beim Skilift am Ried in Farchant getroffen haben und uns fast pünktlich über den ca. 400m langen Anstieg (ca. 20 Höhenmeter) zur Betriebsstation des Autobahn Tunnels Farchant aufgestiegen sind.

Dort angekommen erwartete uns Herr Zitzmann von der Autobahn Direktion Südbayern und die Teilnehmer staunten über den doch eigenwilligen Bau der da so mitten im Wald an Hang steht. Die Betriebsstation des Autobahntunnels Farchant, welcher vor über 10 Jahren bereits eröffnet wurde.

Nach der sehr herzlichen Begrüßung durch Herrn Zitzmann und der Aufteilung der Teilnehmer in zwei
Gruppen, erkundeten die erste Gruppe unter der absolut fachkundigen Führung von Herrn Zitzmann die Betriebsstation des Tunnel Farchant und die zweite Gruppe machte sich auf den Weg zur Tunnelbaustelle Oberau wo sie von Herrn Schauer (Leitender Ingenieur der Tunnelbaustelle
Oberau) empfangen wurde.

Der ersten Gruppe wurde schnell klar, viel Platz hat so eine Betriebsstation nicht. Jeder Winkel ist
verplant und mit irgend einem technischen Gerät belegt. Vom Flur ging es gleich in den Netzanschlussraum mit der 10 KV-Einspeisung wo 3 Trafos beeindruckend vor sich hin brummten.

Von der Einspeisung weiter zum nächsten Raum der Energieverteilung in der sich auch die Frequenzumrichter und Schütze für die für die 6 Lüftermotoren mit je 250kW befinden.

Genug gestaunt. Jetzt geht es weiter zur Notstromversorgung. Diese ist so ausgelegt, dass der
Tunnel bei einem Stromausfall noch mindestens eine Stunde beleuchtet und überwacht werden kann. Nach 10 Minuten Stromausfall wird der Tunnel aber in jedem Fall gesperrt.

Ein sehr wichtiger Bestandteil der ganzen Tunnelanlage ist die Lüftungsanlage oder besser gesagt die Rauchabsaugung im Brandfall. Kommt man in die Halle mit den 6 Lüftungs-rohren in denen sich die Turbinen für die Absaugung befinden, wird auch klar warum die Betriebsstation von außen gesehen wie ein Turm mit Hubschrauberlandeplatz aussieht. Die sechs Röhren haben jeweils einen Durchmesser von ca. 2 Meter und saugen im Brandfall den Rauch aus der Tunnelröhre ab und befördern ihn oben an der Betriebsstation wieder hinaus. Erfolgt ein Brandalarm starten die riesigen Ventilatoren automatisch und nur die Feuerwehr kann diese wieder ausschalten. Bei einem Brand werden die Abgase bis zu 1200°C heiß und die Ventilatoren laufen dann mit voller Leistung bis zum bitteren Ende. Nach einer Stunde, so wird geschätzt, zerstören sich die Ventilatoren durch die Hitze selbst. Länger halten sie es nicht aus.

Für die Feuerwehr wird ein Löschwassertank mit 1 Million Liter Löschwasser vorgehalten. Im Brandfall wird dieses Löschwasser mit 6 großen Pumpen mit 9 bar in die Löschleitung für die Feuerwehr gepresst. Bei Übungen hat sich nämlich herausgestellt, dass das Trinkwassernetz der
Gemeinde Farchant nicht ausreicht und die benötigte Löschwassermenge zu liefern.

Unser Rundgang führt uns weiter in einen Raum zwischen den beiden Röhren und von dort aus betreten wir dann auch eine Pannenbucht im Tunnel. Durch das Öffnen der Fluchttüre wird die Geschwindigkeit für die Fahrzeuge auf 60 km/h reduziert, die Notbeleuchtung geht an und die Video-Kameras zeichnen den Vorfall auf.

Zum Schluss klettern wir noch über eine kleine Leiter in den Luftkanal über der Fahrbahn, aus welchem man durch die Brandklappen auf die darunter fahrenden Fahrzeuge blicken kann. Zur Demonstration lässt Herr Zitzmann noch eine Lüfterturbine auf Stufe 2 (von 9 möglichen Stufen) einschalten und es lässt sich erahnen, welche Saugleistung eine der 250kW starken Turbinen erreichen kann.

Nach dem ersten Teil der Sichtung haben wir nun Hunger und Durst und treffen uns an der Metzgerei Reiser in Oberau zum Mittagessen. Die Qualität und der Geschmack sind super und der Preis ist klein.

Nach der kurzen Stärkung tauschen die Gruppen und nun geht es zur Tunnelbaustelle Oberau.

An der Baustelle angekommen empfängt uns der leitende Bauingenieur der Tunnelbaustelle Oberau, Herr Schauer, im an der Baustelle extra dafür errichteten Besucherzentrum der Autobahndirektion Südbayern.

Zwei sehr interessante Videofilme erklären uns die Hintergründe wie es zu einer solchen Entscheidung kommt hier in Oberau einen neuen Autobahn-Tunnel zu bauen und wir staunen nicht schlecht wie viele Einzelheiten im Vorfeld bedacht und erkundet werden müssen, um einen solchen Tunnel zu bauen.

Herr Schauer setzt nun noch Einen drauf und lässt uns an einer von ihm vorbereiteten Präsentation teilhaben. Dabei erklärt er uns welche Schwierigkeiten es seit Baubeginn gegeben hat und wie sie gemeistert wurden. Es war ein echt sehr interessanter Vortrag.

Nun geht es ans Umziehen und wir erhalten Gummistiefel, Warnjacke und Helm und fahren mit den beiden Kleinbussen der Autobahndirektion in den Tunnel ein. Wir fahren und fahren und erst jetzt erkennen wir, wie weit der Tunnel schon vorangetrieben ist. Irgendwann kommen wir aber am Ende an, steigen aus und können gar nicht richtig realisieren wo wir sind.

Wir sind mitten drin an der vordersten Front. Die Maschinen dröhnen und werkeln was das Zeug hält. Betonmischer, Muldenkipper und Radlader arbeiten auf engstem Raum. Durch das riesige Rohr an der Decke strömt Frischluft von außen bis ganz nach vorne. Ca. zwei Drittes des Tunnels sind gegraben und etwa 800m haben die Tunnelbauer noch vor sich.

Wir merken schnell, dass wir hier eigentlich im Weg sind. Auch wenn wir Schaufeln und Pickel dabei haben, könnten wir hier nicht viel ausrichten. Wir fahren also wieder nach draußen und folgen einem beladenen Muldenkipper. Die Dinger sind echt riesig. Das hat uns echt beeindruckt und wir wundern uns, dass uns die Autobahndirektion Südbayern überhaupt bis nach ganz vorne in den Tunnel gelassen hat. Daran werden wir uns sicher lange erinnern. Bevor wir uns wieder umziehen und verabschieden, müssen wir noch zur Gummistiefel-Waschanlage und dann noch unsere Schaufeln und Pickel abgeben.

Nach getaner Arbeit brauchen wir wieder eine Stärkung und fahren auf der Autobahn ein Stück Richtung München um in Großweil im Hofcafe am Stern für Kaffee und Kuchen einzukehren. Wir genießen den Ausblick hinüber zum Walchensee, die Brotzeit, den Kuchen und unterhalten uns über
das Erlebte.

Ein Toller Tag.

 

  Gerhard Egginger

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