Club 75
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2014 Besuch bei Fa. Huber in Berching und Fachvortrag von Alfons Schmid

Liebe Club-Mitglieder,

 

unsere diesjährige Herbstveranstaltung führte uns in das idyllisch gelegene, mittelalterliche Städtchen, Berching im Altmühltal. Pünktlich, wie immer, trafen wir uns zur vereinbarten Zeit um 14.00h im traditionsreichen und über 300 Jahre alten Brauereigasthof Winkler mitten in Berching. Hier hatten wir auch die Übernachtungen gebucht. Einige „Früh angereiste“ konnten schon mal das gute Essen und das selbstgebraute „Bären-Bier“ genießen. Um 14.30h fuhren wir in Fahrgemeinschaften zur nahe gelegenen Firma Huber Technology, wo wir um 15.00h von Hrn. Christian Stark, seines Zeichens Marketing-Leiter und seinem Kollegen aus der Abteilung Automatisierungstechnik bereits erwartet und herzlich begrüßt wurden. Im Konferenzraum informierte uns wir dann Herr Stark, in einem sehr kompetenten und interessanten Vortrag über die Entwicklungsgeschichte und Produktpallette der Firma Huber Technology AG. Gegründet im Jahre 1786 und seit 1872 bis heute durchgehend als Familienunternehmen in Besitz der Familie Huber aus Berching.

Begonnen als Kupferschmiede für Haushaltswaren, Destilliergeräte und Kupferkessel für Brauereien, kam um ca. 1900 die Abwasserreinigung und Trinkwasseraufbereitung hinzu. Die Firma Huber hat sich zu einem der Weltmarktführer in diesem Bereich mit weltweit über tausend Mitarbeitern (davon allein in Berching ca. 640 MA), mit einem Umsatzvolumen von ca. 160 Millionen Euro entwickelt. Die Familie Huber bekam viele Auszeichnungen und Preise, darunter der 2006 verliehene „Deutsche Umweltpreis für Wassertrennung“.

Bis Ende 2014 wurden weltweit ca. 35.000 Maschinen der Firma Huber verkauft. Mittlerweile gibt es in vielen Ländern Tochterfirmen, Vertriebsbüros oder Repräsentanten für folgende Geschäftsfelder:

  • Kanalausrüstung / Reinigung
  • Filtertechnik / Membrantechnik
  • Green Building
  • Industrie
  • Edelausrüstungsteile rund um die Trinkwasserversorgung
  • Rechen / Siebe für Wasserreinigung und Abwassersiebung
  • Schneckenpressen zur Schlamm- / Klärschlamm- Verpressung
  • Trocknungsanlagen (auch mit Solartechnik)
  • Sandwaschanlagen / Aufbereitung
  • Neu hinzugekommen ist Heizen / Kühlen mit Abwasser und Wärmerückgewinnung direkt im Kanal (Hauptsammler)

In Straubing werden z.B. 120 Wohneinheiten mit Kanalwärme-Rückgewinnung versorgt. Interessant ist das auch für Kliniken und Industriebetriebe. Ein weiteres Standbein ist der weltweite Huber Service mit Beratung / Optimierung und „Huber Operation Control“ (HOC) in Berching für höchste Betriebssicherheit.

Bevor es dann in die Betriebsbesichtigung weiter ging, wurden uns noch einige sehr anspruchsvolle Referenzprojekte vorgestellt, darunter Anlagen für die Olympischen Spiele in Sotchi und eine der größten Kläranlagen der Welt in Paris. Eine Führung durch die Fertigungshallen rundete den Vortrag dann ab. Hierbei konnten wir den gesamten Fertigungsprozess vom Eingang der Edelstahlbleche mit bis zu 2,5 cm Stärke, bis zum fertigen Endprodukt in der Verpackungs- und Auslieferungshalle bestaunen. Hier wurde deutlich, dass fast jede Maschine eine individuelle Einzelanfertigung ist und deshalb fast alles in Handarbeit hergestellt werden muss. Es gibt so gut wie keine Möglichkeit, Teile der Prozesse durch Roboter durchführen zu lassen. Selbst die hochwertigen Schweißnähte werden von Spezialisten in Handarbeit ausgeführt. Wir konnten nur staunen, wie präzise und sauber die einzelnen Fertigungsschritte bis hin zur Oberflächenveredelung ausgeführt werden. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, Qualität und Kontrolle ist oberstes Gesetz. Herr Stark und Herr Weigl blieben uns keine Antworten schuldig, Sie waren mit allen Fertigungsschritten bestens vertraut, hochmotiviert und sehr kompetent.

Ein gemeinsames Foto und die Überreichung unserer Gastgeschenke rundeten den hochinteressanten Nachmittag bei der Huber AG ab und wir fuhren etwas verspätet zurück nach Berching zur geplanten Stadtführung  mit „Nachtwächter“. Der hatte uns aber scheinbar vergessen, oder „verschlafen“, so dass von unseren Wirtsleuten kurzfristig ein Ersatz organisiert werden musste. Dieser war zwar nicht als „Nachtwächter“ verkleidet, aber dafür sehr informativ und gut gelaunt, trotz des kurzfristigen Einsatzes. Wir wurden sehr anschaulich in die Stadtgeschichte eingeweiht und konnten Interessantes und Amüsantes über Geschichte und Bewohner erfragen. Speziell auch über die Familie Huber wusste er sehr vielen zu erzählen. Zum Abschluss der Führung kamen wir sogar noch an der ehemaligen Werkstatt, in der alles begonnen hat, vorbei. Nach dieser wunderschönen Nachtführung konnten wir uns dann ganz den kulinarischen Genüssen und verschiedenen Biersorten unserer Herbergsbrauerei Winkler befassen. Zufrieden und gesättigt fielen wir dann zu fortgeschrittener Stunde nach endlosen „Fachgesprächen“ in unsere Betten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen, begaben wir uns dann in den Tagungsraum des Hotels und freuten uns auf den Vortrag von unserem Club-Mitbegründer und allseits bekannten Alfons Schmid mit dem Thema: „Hochspannungs-Gleichstrom-Trasse“.

Nach der Begrüßung und einigen einleitenden Worten ging es dann auch gleich in die „Vollen“. Anhand eines Tortendiagrammes wurde von Alfons der aktuelle Strombedarf von ca. 629 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr in Deutschland, verteilt auf die unterschiedlichen Erzeugungsbereiche, aufgezeigt. Über 45% wird durch Stein- bzw. Braunkohle erzeugt, 15% durch Kernenergie, 10% mit Erdgas und 5% mit Heizöl, Pumpspeicher und Sonstigem. Von den ca. 23,4% erneuerbarer Energie werden knapp 8% durch Windkraft, knapp 7% durch Biomasse, 4,5% durch Photovoltaik, 3,4% durch Wasserkraftwerke und der Rest durch Siedlungsabfälle erzeugt. Damit wir auch zukünftig auf ein stabiles Stromnetz in Deutschland setzen können, ist die geplante Gleichstromtrasse unumgänglich. Der mit Windkraft erzeugte Strom, der sich zudem auch noch sehr einfach regeln lässt, muss von Nord nach Süd befördert werden. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Leitungsführungsmöglichkeiten und warum Gleich- und nicht Wechselstrom wurden umfassend und kompetent dargestellt und erläutert. Wir fühlten uns fast wieder in den Meisterkurs zurückversetzt, allerdings diesmal ohne „Prüfungsdruck“, wie es ein Club´ler treffend formulierte. Alle Möglichkeiten wurden erörtert, es blieben keine Fragen unbeantwortet. Die Zeit verging mal wieder im Fluge und wir hörten unserem Alfons wie immer, gebannt  und hochmotiviert zu. Zum krönenden Abschluss dankte er dann unseren anwesenden Damen für Ihre Geduld bei seinen sehr technischen Ausführungen. Sozusagen als „Zuckerl“ hat er zu unser aller Vergnügen diese dann mit einfachen und verständlichen Worten in die Geheimnisse des Stromflusses mit Plus und Minus im Vergleich zu Männlein und Weiblein erklärt. Als dann noch ein Club´ler die Frage nach dem Widerstand, der den „Stromfluss“ von Männlein zu Weiblein behindert, mit der dazwischenstehenden „Schwiegermutter“ erklärte, brachen wir alle in schallendes Gelächter aus und es gab großen Applaus für diese auch für Nichttechniker sofort zu verstehenden Ausführungen. Zu unser aller bedauern, war damit der von Alfons Schmid in seiner unnachahmlichen Art gehaltene Vortrag dann zu Ende. Der Meisterclub bedankte sich bei Alfons Schmid für seinen sehr informativen, kurzweiligen und amüsanten Fachvortrag auf das Herzlichste. Wie alle unsere Referenten, sollte natürlich auch Alfons ein kleines „Dankeschön“ vom Meisterclub bekommen. Unsere „großen“ Club-Weinflaschen hatten wir allerdings bei der Fa. Huber schon alle aufgebraucht. Zum Glück hatte unser Hof-Lieferant in Sachen Club-Wein, Werner Wersching, noch einige handliche „Schoppen-Fläschchen“ dabei. Da es in der Technik und im Leben immer zwei verschiedene Pole gibt, haben wir unserem Alfons auch symbolisch und stellvertretend für den Plus- und Minuspol dann auch zwei kleine Fläschchen von dem Zauberwasser aus der Pfalz überreicht. Er musste uns aber erst versprechen, uns bald wieder mit einem seiner Fachvorträge zu erfreuen.

Nach einem diskussionsreichen und guten Mittagessen machten wir uns zufrieden und frisch gestärkt auf den Heimweg, mit dem positiven Gedanken an unser Club-Motto: „A biss´l wos für´s Hirn und a biss´l wos für´s Gmiad“.

 

Kaspar Waldherr

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